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Mit genauem Blick für Widersprüche, Ausflüchte und Lebenslügen
Lene und Enzo: weiß, urban, Ende fünfzig, Mittelstand. Ein Paar, das sich nicht alt fühlt, aber trotzdem daran zweifelt, ob es mit Jüngeren noch mithalten kann. Enzo ist Psychiater mit einer Neigung zu unkonventionellen Methoden, Lene hat sich als Schriftstellerin neu erfunden. Sie haben sich an eine lauwarme Beziehungstemperatur gewöhnt, lassen sich gegenseitig viel Raum und pflegen ihre Sehnsucht nach Überraschungen und Leidenschaft höchstens im Verborgenen. Doch langsam offenbaren sich Abgründe, Unterschiede und Konflikte, die das Paar in verschiedene Richtungen ziehen.
Ruth Wittig entwirft mit prägnanter Sprache und feinem Humor das Porträt eines Paares, das sich trotz aller Widerstände den Veränderungen seines Lebens stellen muss. Erotische Wünsche, familiäre Verstrickungen, die Räumung des Elternhauses oder das Erodieren der Berufsrolle: In sechs Bildern, einer Fernsehserie ähnlich, führt Danke, wir können nicht klagen auf eine Expedition ins holprige Terrain der mittleren Jahre. Sicherheiten zerbröseln, neue Fragen klopfen an. Und am Ende bleibt die Frage, ob die gemeinsame Basis hält.
Die Autorin
Ruth Wittig

Ruth Wittig, in Deutschland geboren, lebt seit vielen Jahren im zweisprachigen Fribourg, was ihr Interesse an der Sprache als Gestaltungsmittel sehr beflügelt hat. Nach dem Studium der Publizistik und Psychologie arbeitete sie in psychiatrischen Kliniken, in der Forschung und als Assistentin an der Universität. Heute führt sie ihre eigene psychotherapeutische Praxis. Das literarische Schreiben entwickelte sie seit den 2000er-Jahren zu einer zweiten beruflichen Schiene. 2014 erschien der Erzählband Camouflage, 2019 ihr Romandebüt Zu dritt. Als Leserin und Kinogängerin hat sie Freude an unfrei- williger Alltagskomik und dem Genre der sanft melancholischen Satire.
Die Autorin steht für Lesungen zur Verfügung.
Foto © Ayse Yavas